Weihnachtsbräuche aus aller Welt

Weihnachten ist in Deutschland das Fest der Familie. Am Heiligabend kommen alle zusammen, es gibt die traditionelle Weihnachtsgans oder auch Würstchen mit Kartoffelsalat, man geht zur Christmesse und packt anschließend seine Geschenke, die unter dem hübsch dekorierten Weihnachtsbaum platziert sind, aus. In vielen Familien werden auch noch traditionelle Weihnachtslieder gesungen. Besinnlich und harmonisch soll es zugehen.

Weihnachten wird fast auf der ganzen Welt gefeiert. Natürlich in allen christlich geprägten Ländern, aber auch in Ländern, deren Bevölkerung zum Großteil nicht mit dem christlichen Glauben aufgewachsen ist. Wir laden Sie zu einer kleinen Weltreise durch die Weihnachtsbräuche in zwölf verschiedenen Ländern ein.

Niederlande

Für unsere Nachbarn im Nord-Westen ist der wichtigste Tag nicht der 24. Dezember, sondern der 5. bzw. 6. Dezember. Am letzten Samstag im November kommen Sinterklaas und sein Gefährte Zwarte Piet in den Hafenstädten Hollands an. Sinterklaas, der Schutzpatron der Seefahrer, ist mit einem roten Bischofsmantel, der Bischofsmütze und weißen Handschuhen bekleidet und reitet auf einem Schimmel an Land. Dabei läuten alle Glocken und Sinterklaas wird mit Gesängen und Rufen herzlich begrüßt. Am Ankunftsabend stellen Kinder ihre Schuhe gespickt mit Wunschzetteln bereit. Für den Schimmel werden ein Eimer Wasser, eine Mohrrübe und etwas Heu bereitgestellt. Am Nikolausabend (5. Dez) wird im Kreis der Familie gefeiert. In der Nacht auf den 6. Dezember reiten Sinterklaas und Zwarte Piet über die Dächer der Häuser und verteilen Geschenke. Jedes Geschenk wird mit einem Gedicht versehen, mit dem sich Familienmitglieder gegenseitig aufs Korn nehmen; unterschrieben sind alle Gedichte aber mit „Sinterklaas“. Die Weihnachtsbäume werden erst geschmückt, wenn Sinterklaas das Land wieder verlassen hat. An Weihnachten bringt der Kerstmann dann nur noch kleinere Geschenke für die Kinder.

Frankreich

Im Land der Köstlichkeiten ist es nicht verwunderlich, dass das Weihnachtsessen, genannt La Revellion, eine große Rolle spielt. La Revellion besteht aus Dinde aux marons, einem mit Maronen garniertem Truthahn, Pasteten, Austern, einer Gänsestopfleber (Foie Gras) und als Highlight die Buche des Noel, eine Schokoladenbisquitrolle als Dessert. Das üppige Mahl wird den ganzen Abend lang zelebriert, bevor es um Mitternacht zur Messe de Minut in die Kirche geht. Während die Familie die Messe besucht, besucht der französische Weihnachtsmann Père Noel die Häuser und hinterlässt Geschenke für die Kinder in ihren bereitgestellten, geputzten Schuhen. Die Bescherung findet nach der Kirche oder am nächsten Morgen statt.

Schweden

In Schweden heißt Weihnachten Jul und wird wie hierzulande am 24. Dezember gefeiert. Die Geschenke werden weder vom Weihnachtsmann, noch vom Christkind gebracht. In Schweden werden die Kinder vom Julbock, der vermutlich dem Ziegenbock des germanischen Gottes Thor nachempfunden ist, beschenkt. Dazu werden im ganzen Land Julböcke aus Stroh gebastelt, die am Weihnachtstag reich mit Geschenken behängt werden. Traditionell wird in schwedischen Familien am 24. ein großes Festmahl aufgetischt, bevor weihnachtliche Gesänge die Geschenkübergabe einläuten. Damit die Hausgeister, Tomare genannt, einem auch weiterhin gut gesinnt sind, werden auch sie beschenkt. Dazu stellen die Schweden ihnen am Heiligabend einen süßen Milchbrei vor die Tür.

Wichtiger als das Weihnachtsfest ist in Schweden aber der Lucientag, der am 13. Dezember gefeiert wird und nach der schwedischen Lichterkönigin St. Lucia benannt ist. An diesem Tag trifft man überall auf weiß gekleidete Mädchen mit einem Kerzenkranz auf dem Kopf, die St. Lucia darstellen sollen. In den Familien weckt jedes Jahr die älteste Tochter, verkleidet als St. Lucia, am Morgen des 13. Dezember ihre Familie mit dem traditionellen Lucia-Gebäck. In den Städten und Dörfern wird jedes Jahr eine neue Lucia-Braut gewählt, die am Lucientag durch die Straßen zieht. Der Brauch geht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Damals galt die vorausgehende Nacht als die längste des Jahres, mit Lucia begann dann die Zeit des Lichtes.

Spanien

Weihnachten ist in Spanien ein Familienfest. Traditionell wird am Heiligabend als Weihnachtsessen Truthahn gereicht. Nach dem ausgiebigen Mahl geht man in Spanien zur Mitternachtsmesse, der Misa del Gallo. Die Kirchen sind hierzu prunkvoll geschmückt, wobei die Krippe eine ganz besondere Rolle spielt. Als Spanier sollte man nicht versäumen, das Jesuskind zu küssen. Nach der Messe versammeln sich alle auf den Dorfplätzen, auf denen rund um ein großes Feuer getanzt und gesungen wird.

Die Bescherung findet in Spanien erst am 6. Januar statt. Hier werden die Geschenke von den Heiligen Drei Königen überbracht. Ihre Ankunft am 5. Januar wird in vielen Gemeinden mit einem feierlichen Umzug und Aufführungen gefeiert. Unartige Kinder bekommen statt Geschenken ein Stück Kohle.

Großbritannien

In Großbritannien wird Weihnachten großgeschrieben. Überall wird mit Mistelzweigen, Stechpalmen, Lorbeer, Girlanden und Weihnachtskarten dekoriert. Anders als bei uns, wird in Großbritannien erst am 25. Dezember Weihnachten gefeiert. Die Geschenke werden von Father Christmas in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember in den dafür extra aufgehängten Stockings, langen Strümpfen, platziert. Die Bescherung findet dann am Morgen des 25. Dezembers statt. Traditionell wird vor dem Festmahl die Weihnachtsansprache der Queen um 15 Uhr im Fernsehen verfolgt. Danach folgt das opulente Mahl, bestehend aus einem mit Backpflaumen und Äpfeln oder Hackmasse und Brot gefülltem Truthahn, der Gregor genannt wird. Als Dessert wird ein mit Rum flambierter Plumpudding gereicht. Zu einem echten englischen Weihnachtsessen wird natürlich auch Eierpunsch getrunken.

Am 26. Dezember, dem sogenannten Boxing Day, dessen Name auf die bunten Boxen zurückgeht, in denen Lehrlinge früher ihr Weihnachtsgeld bekamen, werden traditionell Freunde und Bekannte besucht. Bei den Feierlichkeiten herrscht eine ausgelassene Stimmung, es werden bunte Papierhüte getragen und Knallbonbons, in England Christmas Crackers genannt, gezündet. Heutzutage wird der Tag aber vor allem zum Shoppen genutzt, da viele Geschäfte am Boxing Day mit ganz besonders günstigen Angeboten locken.

Eine ganz besondere Tradition findet in Großbritannien am 6. Januar statt. An diesem Tag zieht Mari Lwyd, eine als Pferd verkleidete Person von Tür zu Tür. Sie stellt den Bewohnern Rätsel. Wer die Antwort nicht weiß, wird von Mari Lwyd gebissen und muss diese hereinbitten und verköstigen.

Irland

In der Vorweihnachtszeit steht in Irland ein großer Hausputz im Vordergrund. Wenn das Haus bereit für die Festtage ist, wird außerdem ein Mistelzweig an der Haustüre aufgehängt, der böse Geister fernhalten und Glück bringen soll. Eine Besonderheit an dem Mistelzweig ist, dass jeder der darunter steht, ungefragt geküsst werden darf. Auch in Irland wird Weihnachten am 25. Dezember gefeiert. Wie in Großbritannien, bekommen die Kinder ihre Geschenke von Father Christmas am Morgen des 25. Dezembers. Zum traditionellen Weihnachtsessen gehört auch hier ein gefüllter Truthahn, aber auch Räucherlachs und Krabben. Das Dessert ist auch in Irland traditionell einen Plumpudding.

Am 26. Dezember, dem St. Stephens Day, wird dem ersten Märtyrer Stephan gedacht. Dazu tragen junge Leute und Kinder Stechpalmenzweige, die mit Bändern geschmückt sind, an denen Zaunkönige hängen, singend von Haus zu Haus.

Australien

In Australien findet Weihnachten im Hochsommer statt, weshalb es auch kaum echte Tannenbäume, da sie ihre Nadeln zu schnell verlieren würden, und noch weniger echte Kerzen, wegen der hohen Waldbrandgefahr, gibt. Stattdessen stellen Australier schon am 15. Dezember Plastik- oder Aluminiumbäume auf, die farbenfroh geschmückt werden. Am Heiligabend treffen sich traditionell viele Australier in Parks oder am Strand um gemeinsam Carols by Candlelight, also Lieder bei Kerzenschein zu singen. Diese Tradition entstand 1938 in Melbourne, heute findet sie in allen australischen Städten statt. Am Morgen des 25. Dezembers folgt, wie in den meisten angelsächsischen Ländern, die Bescherung.

Da bei den heißen Temperaturen (in vielen Teilen Australiens bis zu 40°) kaum einer Lust auf einen Truthahnbraten hat, wurde die Tradition modernisiert. Heutzutage treffen sich viele Australier am Strand oder im Park und veranstalten ein Barbecue, in Australien „Barbie“ genannt. Auf dem Grill landen dann landestypisch meistens Fisch und Meeresfrüchte. Dazu hüpft überall ein mit roter Badehose und weißem Rauschebart bekleideter Weihnachtsmann umher. Weihnachten gleicht in Australien einer ausgelassenen Sommerparty.

Philippinen

Auf den Philippinen wird Religion großgeschrieben. 83% der philippinischen Bevölkerung sind Katholiken. Die Weihnachtszeit beginnt hier schon im September, wo bereits die ersten Weihnachtslieder im Radio zu hören sind. Wer Anfang Dezember noch keinen Weihnachtsbaum aufgestellt hat, wird von allen kritisch beäugt. Am 16. Dezember beginnen die weihnachtlichen Abendmessen, die mit der Mitternachtsmesse, genannt noche buena am 24. Dezember gekrönt wird. Gefeiert wird familiär am 25. Dezember. Das Weihnachtsessen besteht traditionell aus Käseballen und Schinken. Geschenke werden von den Großeltern an ihre Enkel verteilt. Zu dem großen Fest wird außerdem nur neu gekaufte Kleidung getragen.

Japan

In Japan wird Weihnachten gefeiert? Naja, traditionell natürlich nicht. Die Japaner lieben aber bunte und große Feste und haben so Weihnachten, Kurisumasu auf japanisch, einfach übernommen. Nach dem amerikanischen Vorbild kommt auch in Japan am 25. Santa Claus und bringt Geschenke. Dazu wird ein Weihnachtskuchen aus Biskuit, geschmückt mit Blumen, Bäumen und garniert mit einer weißen Glasur gereicht.

Mexiko

Einmal über den großen Teich geflogen, landen wir nun in Mexiko. In Mexiko wird Weihnachten üppig, bunt und ausgelassen gefeiert. Die Festivitäten beginnen am 16. Dezember mit den sogenannten Posadas, bunten Umzügen, die die Suche nach einer Bleibe von Maria und Josef nachstellen sollen. Die Umzüge enden am 24. Dezember mit der Mitternachtsmesse. Danach folgen ausgelassene Feiern mit Feuerwerk, Freudenfeuern und dem Baile de la flor, dem Blumentanz.

Insbesondere Kinder freuen sich auf die Pinata, einen mit Früchten und Süßigkeiten gefüllter Stern aus Pappmaschee oder Ton. Mit verbundenen Augen dürfen die Kinder versuchen, die Pinata mit einem Stock zu zerschlagen, um an den Inhalt zu gelangen. Traditionell wird die Pinata mit Blumen, Sternen und weihnachtlichen Figuren dekoriert und hat sieben Spitzen. Diese Spitzen sollten früher die sieben Todsünden symbolisieren.

Wie auch immer Sie Weihnachten feiern, wir wünschen Ihnen eine besinnliche und gemütliche Zeit im Rahmen Ihrer Familie und Freunden!