Warum Superfoods doch nicht so super sind

Goji Beeren, Chiasamen, Quinoa und Avocados – das sind die sogenannten Superfoods unserer Zeit. Insbesondere die Avocado ist bekannt als Mutter aller gesunden Früchte. Avocados sind gut für uns, keine Frage, aber sind sie auch gut für unseren Planeten? Naja, also, nein. Aber lassen Sie mich erklären.

Warum wir Avocados lieben

Avocados sind nicht nur gesund und lecker, sie haben auch noch eine ganz besondere Eigenschaft: sie können tierische Produkte, wie Eier oder Butter, ersetzten. Und das macht sie zu einem wichtigen Element der veganen Küche. Aber Fleischesser mögen sie ganz genauso gerne. Avocados sagt man nach, dass sie den Cholesterinspiegel senken, unsere Zähne und Knochen mittels Vitamin A stärken und eine positive Wirkung auf unsere Sehkraft ausüben. Nicht zu vergessen, ihren Schönheitseffekt, wenn man sie als Maske auf das Gesicht aufträgt. Die Liste ist endlos.

Die Schattenseite der Avocado

Avocados wachsen auf immergrünen Bäumen. Diese Bäume müssen natürlich irgendwo wachsen und sie brauchen, wie jeder Baum, Erde, Luft und Wasser. Und Avocados brauchen eine ganze Menge Wasser, 1000 Liter für ein Kilo. Um die gleiche Menge an Tomaten anzubauen, braucht man nur 180 Liter. Was uns zu unserem nächsten großen Problem bringt: da wo Avocados hauptsächlich wachsen, in Südamerika und Afrika, herrscht sowieso schon Wassermangel. Außerdem steigt der Bedarf immer weiter an, sodass immer mehr Bäume gepflanzt werden müssen. In Mexiko wurden deshalb schon zahlreiche Wälder gerodet um der Nachfrage gerecht werden zu können. Diese Rodungen wiederum sind verantwortlich für 2 Milliarden Tonnen CO2 Emissionen jedes Jahr. Und da sind die Avocados ja noch nicht einmal bei uns angekommen!

Die lange Reise beginnt…

Eine Avocado aus Südafrika, zum Beispiel, reist erst von der Farm im Norden des Landes in den Süden an die Küste. Rund 1000 km. Dann wird sie auf ein Schiff geladen, das sie nach Rotterdam bringt. Die Überfahrt dauert 26 Tage. Während der kompletten Reise darf die Avocado es nicht bei komfortablen sechs Grad in ihrem elektrisch betriebenen Container gemütlich machen. Endlich in Rotterdam angekommen wird sie auf einen LKW verladen, der sie weitere 30 km zu ihrem Vertreiber transportiert. Zu dieser Zeit ist die Avocado noch hart wie eine Kokosnuss. Der offiziell genannte „Ripening Master“ testet eine der Avocados auf ihren Reifegrad. Danach werden die Avocados sechs Tage lang mit dem Gas Ethan besprüht bis sie den perfekten Reifegrad erreicht haben. Und jetzt werden sie endlich in Ihren heimischen Supermarkt gebracht, „ready to eat“ nur für Sie.

Zurück zu unseren Wurzeln

Die Geschichte der Avocado ist eine deprimierende: wenn man ernsthaft umweltfreundlich essen möchte, muss man wohl auf Avocados verzichten. Anstelle der exotischen Früchte sollten wir zurück zum Arme-Leute-Essen gehen. Kohl und Karotten sind dann angesagt. Und wir müssten uns daran gewöhnen, dass Supermarktmitarbeiter uns erklären, dass Tomaten „keine Saison haben“ und wir es „in zwei Monaten noch einmal probieren können“. In dieser Welt wäre die Avocado etwas Besonderes, ein Sonntagsfrühstück. Also los, zurück zu unseren Wurzeln! Also, wir können es ja zumindest versuchen…ein bisschen…manchmal.