Schokolade, der Alleskönner – oder?

Schokolade macht glücklich, gesund und schlank. Sie beugt sogar Herzinfarkte vor! Das sind die allbekannten Mythen rund um eines unserer Lieblingsschlemmereien. Im Durchschnitt verzehrt jeder Deutsche zehn Kilogramm pro Jahr. Da kam die Nachricht, dass Schokolade schlank macht im vergangenen Jahr genau richtig. Der Wissenschaftsjournalist John Bohannon hat zusammen mit dem Fernsehsender Arte eine Studie vorangebracht, die uns alle glauben ließ, man könne mit Schokolade abnehmen. Heute wissen wir, die Studie wurde bewusst manipuliert, um das Wunschergebnis zu erhalten. Tatsächlich ist Schokolade alles andere als ein Schlankmacher. Kein Wunder, besteht sie doch hauptsächlich aus Fett und Zucker. Eine herkömmlich Tafel Schokolade besteht zur Hälfe aus Zucker! Da kommt man dann doch ins Grübeln, ob Schokolade auch positive Effekte haben kann.

Die Schattenseite

Wir haben schon feststellen müssen, dass Schokolade leider keineswegs schlank macht. Sie hat aber noch weit schwerwiegendere Folgen. Um eine Tafel Schokolade hierzulande für schon knappe 40 Cent verkaufen zu können, beuten Großkonzerne Bauern und Händler in den Anbauregionen aus. Der Kakaobaum ist eine anspruchsvolle Pflanze und wächst ausschließlich 18 Grad nördlich und südlich des Äquators. Außerdem benötigt sie eine spezielle Bodenbeschaffenheit und Luftfeuchtigkeit. Optimale Bedingungen herrschen zum Beispiel in Indonesien, Brasilien, Ghana und der Elfenbeinküste.

Der früher sehr lukrative Kakaohandel bereitet den Bauern in den ohnehin schon gebeutelten Ländern immer mehr Schwierigkeiten. Böden sind nach einiger Zeit erschöpft, sodass neue Anbauflächen kultiviert werden müssen. Bis ein Kakaobaum erstmals erntereif wird, dauert es aber 10 Jahre. Viele Bauern können sich gar kein neues Land leisten und müssen dem sinkenden Ertrag machtlos zusehen. Somit sind sie gezwungen die Löhne ihrer Erntehelfer niedrig zu halten. In Westafrika arbeiten deshalb immer mehr und mehr Kinder auf Kakaoplantagen. Für nur 230€ werden Kinderarbeiter aus Burkina Faso gehandelt. Lange Zeit wurde dagegen nichts unternommen. Mittlerweile nehmen sich glücklicherweise allerhand Organisationen den schlechten Arbeitsbedingungen auf Kakaoplantagen an.

Um sicherzustellen, keine schlechten Arbeitsbedingungen zu unterstützen sollte beim Kauf von Schokolade auf geprüfte Labels, wie z.B. Fair-Trade geachtet werden. Diese kennzeichnen Schokolade aus fairem, nachhaltigen Anbau. Etwas Vorsicht ist dabei allerdings geboten. Viele Labels gehören den herstellenden Firmen. Ihre Bestimmungen sind oft undurchsichtig und vage. Wer sichergehen will, muss also vergleichen und ein bisschen recherchieren.

Die Sonnenseite

Um der Schokolade aber gerecht zu werden, müssen jetzt noch ihre guten Seiten beleuchtet werden. Zuallererst, Schokolade kann tatsächlich gesundheitsfördernde Effekte haben. Eine repräsentative Studie des Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) der Leibniz-Gesellschaft erforschte die Verbindung zwischen dem Schokoladenkonsum und einem Herzinfarktrisiko. Dazu wurden 20.000 Probanden über einen Zeitraum von zehn Jahren untersucht. Im Ergebnis fand man raus, dass geringe Mengen Schokolade das Herzinfarktrisiko um 39% senken. Zwei Tafeln pro Monat gelten demnach als gesund.

Und nun zur Frage aller Fragen: macht Schokolade wirklich glücklich? Sie können beruhigt sein, sie ist tatsächlich der wohl weitverbreitetste und beliebteste Stimmungsaufheller. Woran das genau liegt, darüber lässt sich streiten. Manche schreiben die Wirkung dem Theobromin zu, das ähnlich wirkt wie Koffein, andere setzten auf das Tryptophan, eine Aminosäure, die der Körper benötigt um Serotonin herzustellen. Wenn Tryptophan tatsächlich der Schlüssel zum Glücklich sein ist, dann können wir uns in Zukunft gesünderen Alternativen widmen. Schweinefleisch, zum Beispiel, enthält viel mehr Tryptophan als Schokolade. Beim nächsten Liebeskummer also einfach mal zur Schweinshaxe statt zur Schokolade greifen!