Resilienz – damit haut Sie nichts mehr um!

Das Leben ist nicht leicht, das wissen wir alle. Immer und immer wieder wirft es uns Steine in den Weg. Mal sind es nur kleine Kieselsteine, ein anderes Mal kommen uns Felsbrocken entgegen. „Was uns nicht umbringt, macht uns stärker“, sagt man. Tatsächlich erholt sich der eine schneller und der andere gar nicht von einer erlebten Enttäuschung. Aber wieso ist das so?

Resilienz: psychische Widerstandskraft

Resilienzforschung beschäftigt sich mit der Frage, was Menschen in existenziellen Krisensituationen Halt gibt. Es geht dabei um Situationen wie etwa der Tod eines nahen Angehörigen, eine Krebsdiagnose, ein Unfall oder anderer Schicksalsschlag. Auch Opfer von Terroranschlägen und kriegstraumatisierte Soldaten sind Gegenstand der Forschung. Das Erstaunliche, so stellen Forscher immer wieder fest, ist, dass der Eine von einem traumatischen Erlebnis aus der Bahn geworfen wird, während ein Anderer sein Leben weiterlebt wie zuvor. Einige scheinen an der Krise sogar zu wachsen. Denken Sie einmal an Neslon Mandela, der trotz jahrelanger Haft an seinem Ziel festhielt und schließlich der erste schwarze Präsident Südafrikas wurde. Man könnte meinen, solche Menschen besitzen eine Superkraft. Das stimmt, und sie nennt sich Resilienz, die Fähigkeit große Krisen unbeschadet zu bewältigen. Da fragt man sich natürlich warum einige Menschen resilienter sind als andere? Und, kann man Resilienz lernen?

Der Schlüssel zu Resilienz sind soziale Beziehungen

Die Pionierin der Resilienzforschung, Emmy Werner, untersuchte Ende der 1950er Jahre, was vernachlässigte Kinder stark macht. Die amerikanische Entwicklungspsychologin untersuchte Kinder der Ureinwohner Hawaiis. Ihr Leben war geprägt von Armut und Alkoholismus, viele Kinder mussten Hunger leiden, wurden misshandelt oder hatten alkoholabhängige oder psychisch kranke Eltern. Zwei Drittel der Kinder wurden im Erwachsenenalter selbst alkoholabhängig, gewalttätig oder psychisch krank. Erstaunlicherweise trugen aber ein Drittel der Kinder keine bleibenden Schäden davon. Wie kann das sein, wenn alle unter den gleichen Bedingungen aufwuchsen?

Der einzige Unterschied unter den Kindern war, dass die später gesunden Erwachsenen im Kindesalter mindestens eine enge Bezugsperson hatten, die ihnen Halt gab und sie liebte. In welchem Verhältnis die Kinder zu ihren Beschützern standen, war dabei unerheblich. Wichtig war alleine, dass jemand an sie glaubte, ihnen half und ihnen etwas zutraute. Diese Kinder konnten in ihrem späteren Leben dann auch an sich selbst glauben und ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln.

Folgende Studien bestätigten diese Ergebnisse. Frühkindliche Fürsorge ist ein wichtiger Bestandteil seelischer Widerstandskraft. Ähnliche Beobachtungen konnten auch bei Erwachsenen gemacht werden. Soziale Beziehungen helfen bei der Bewältigung von Krisensituationen. Das können Familie und Freunde sein, aber auch die Zugehörigkeit zu einem Verein, einer religiösen Gemeinde oder einer politischen Partei kann helfen. Es geht einfach darum, sich nicht alleine zu fühlen. Manche ziehen diese Kraft auch aus der Kunst, der Musik oder der Wissenschaft.

Bestimmte Charaktereigenschaften können Resilienz unterstützen. Studien zeigen, dass ein aktives, offenes Temperament, Intelligenz und Humor, also geistige Flexibilität in Krisensituationen hilfreich sein können. Einige Menschen sind hierfür sogar genetisch begünstigt. Ein weiterer Faktor, in Krisensituationen ruhig bleiben zu können, ist – wie hätte es anders sein können – Geld. Wer über mehr Ressourcen verfügt, kann sich auch mehr Hilfe leisten.

Ist Resilienz lernbar?

Resilienz ist die Superkraft unserer Zeit. Wie toll es wäre, wenn uns einfach nichts mehr aus der Bahn werfen könnte. Das haben sich auch viele Mentaltrainer gedacht und somit werden immer mehr Kurse angeboten und Bücher geschrieben, in denen man lernen soll, resilient(er) zu werden. Auch in Unternehmen erfreuen sich Workshops zum Thema Resilienz großer Beliebtheit. Kein Wunder, nachdem 40 % der Deutschen über den steigenden Druck und Stress am Arbeitsplatz klagt.

Forscher sehen eine Verallgemeinerung für alle, Resilienz zu erlernen, kritisch. Vielmehr soll es keinen Masterplan für jeden geben. Jeder Mensch ist schließlich einzigartig und somit können nicht alle mithilfe einer speziellen Methode an Resilienz gewinnen. Auch seien die Situationen, in denen Stress bewältigt werden muss, zu unterschiedlich um sie miteinander zu vergleichen. Ob Resilienztraining also Sinn macht, bleibt umstritten.

Resilienz im Alltag

Selbst der resilienteste Mensch der Welt kann sich den alltäglichen Herausforderungen nicht entziehen. Vermutlich können resiliente Menschen mit Angst, Trauer und Selbstzweifel besser umgehen, erleben werden sie diese Gefühle aber trotzdem. Davor ist keiner gefeit! Was wir aber tun können: unsere sozialen Beziehungen pflegen, füreinander da sein und mitfühlen. Wenn es uns dann selbst einmal schlecht geht, werden unsere Vertrauten unser Anker sein!