Edle Schreibwerkzeuge in Düsseldorf

Unter dem Titel „Mit schönen Buchstaben auf Papier?“ zeigt das Heinrich Heine Institut der Landes-hauptstadt Düsseldorf vom 5. Juli bis 20. September 2015 eine interessante Ausstellung zur Geschichte der Schreibwerkzeuge.

A.W. Banderole Crayons Faber_12 Polygrades Bleistifte_um 1840
A.W. Banderole Crayons Faber_12 Polygrades Bleistifte_um 1840

Die inter­medial aufbereitete Ausstellung wirft ein Licht auf Schreibwerkzeuge der letzten 200 Jahre. Heinrich Heine bevorzugte die „Spule von der Gans“, der Gänsekiel, der ihm dabei half, »schöne Buchstaben auf Papier« zu setzen, ehe er, krankheitsbedingt, zum Bleistift wechseln musste. Mit wertvollen Originalhandschriften des berühmten Dichters, insbesondere aus seiner späten Schaffensperiode, beginnt der chronologische Rundgang.

A.W. Faber Etui Drawing Requisites_Stifte Set mit Radiergummi_um 1895
A.W. Faber Etui Drawing Requisites_Stifte Set mit Radiergummi_um 1895

Zahlreiche weitere Schreibutensilien aus Schriftstellernachlässen und Privatbesitz zeigen die Bandbreite des Themas: historische Federhalter und Federmesser, Tintenfässer, Streusanddosen und Löschwiegen, Blei- und Farbstifte aus deutscher, englischer und amerikanischer Produktion, Kugelschreiber, Kolben- und Patronenfüller.

Mit entsprechenden Manuskripten sind Theodor Fontane, Gerhart Hauptmann, Stefan George, Thomas Mann, Hanns Heinz Ewers, Alma Mahler-Werfel, Heinrich Spoerl und Dieter Forte vertreten. Wie der Arbeitsplatz eines Düsseldorfer Schriftstellers aus der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts aussah, zeigt die Rekonstruktion des Schreibtischs von Herbert Eulenberg.

Reiseschreibzeug mit Papiervorrat_Tintengals_Füllfederhalter_um 1850 bis 1900
Reiseschreibzeug mit Papiervorrat_Tintengals_Füllfederhalter_um 1850 bis 1900

5000 Jahre lang bestand der Schreibvorgang darin, mit der Hand oder einem Schreibgerät Buchstaben auf einen Beschreibstoff aufzutragen. Mit dem Aufkommen der Schreibmaschine, der Möglichkeit des Tonbanddiktats (später der Benutzung einer Spracherkennungssoftware) und der Entwicklung des Computers und digitaler Speichermedien verliert das Manuskript allmählich an Bedeutung.

Den Technikwechsel vom Handwerkszeug zur Maschine belegen mechanische und elektrische Schreibmaschinen und frühe Personalcomputer der Hersteller Royal, IBM, Robotron, Commodore und Apple sowie Typoskripte von Hermann Hesse, Gottfried Benn, Marie Luise Kaschnitz, Arno Schmidt, Bernt Engelmann und Friederike Mayröcker. Computerausdrucke aus den jüngsten Vor- und Nachlässen des Heinrich-Heine-Instituts werfen die Frage auf, in welche Richtung sich die Archive in Zukunft bewegen werden.

Taschenbleistift Castell um 1910_goldfarben
Taschenbleistift Castell um 1910, goldfarben

 

Die Ausstellung gibt nicht nur Auskunft über verschwundene und aktuelle Schreibwerkzeuge. Im Schreiblabor besteht die Möglichkeit, historische Schreibwerkzeuge (Gänsekiel, Stahlfeder, Bleistift, Füllfederhalter, Kugelschreiberund Schreibmaschine) kreativ und lustvoll auszuprobieren und miteinander zu vergleichen. Versuchen Sie es doch einmal mit der Schönschrift: Wer im Zeitalter der Postkutsche Briefe schrieb, musste die Technik des Schönschreibens beherrschen. Besucher können sich in Spiegelschrift üben, wie sie etwa Leonardo da Vinci als Geheimschrift verwendet hat.

Beschlossen wird der Rundgang mit Heinrich Heine: Auch an dessen in Düsseldorf erarbeiteter Gesamtausgabe lässt sich der mediale Wandel augenfällig machen. Er führt vom Zettelkasten mit internationaler Forschungsliteratur eines Danziger Bibliothekars aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts über eine 80-stellige Lochkarte und ein IBM-Spulenmagnetband aus den 1960er/1970er Jahren bis zu den 23 Bänden der von Manfred Windfuhr im Auftrag der Stadt Düsseldorf herausgegebenen historisch-kritischen Heine-Ausgabe.

Die Ausstellung wird durch Leihgaben aus dem Archiv des Graf von Faber-Castell’schen Schlosses in Stein bei Nürnberg, der Stiftung Insel Hombroich (Thomas Kling Archiv – Institut für Dichtung) und von privaten Sammlern unterstützt und findet in Kooperation mit dem Graf von Faber-Castell Store im Düsseldorfer Kö-Bogen statt. Dort werden im gesamten Ausstellungszeitraum übrigens auch ausgewählte Exponate aus dem Heinrich-Heine-Institut gezeigt.

 

Weitere Informationen:

Heinrich-Heine-Institut
Dr. Sabine Brenner-Wilczek
Direktorin
Bilker Straße 12-14
40213 Düsseldorf
E-Mail: sabine.brennerwilczek@duesseldorf.de

Tel.: 0211/89-92902