Das Düsseldorfer Stadthaus

In der kleinen Schriftenreihe der wiedereröffneten Mahn- und Gedenkstätte ist der Band Das Düsseldorfer Stadthaus. Jesuitenkloster, Polizeipräsidium, Gedenkstätte und Hotel De Medici an der Mühlenstraße erschienen.

Das Stadthaus aus dem 17. Jahrhundert steht wie kaum ein anderes Gebäude für die wechselvolle Geschichte der Stadt Düsseldorf. Errichtet als Jesuitenkolleg mit einer Sternwarte auf dem Dach, diente es später als Regierungs- und Polizei-Präsidium, unter der Nazi-Diktatur auch als Sitz der Gestapo und der SS.

Polizeipräsidium um 1926
Polizeipräsidium im Stadthaus um 1926

Das historische Stadthaus, in dem auch das Derag Livinghotel De Medici seinen Sitz hat, wird im Band detailliert und mit vielen Fotos beschrieben. Es diente zwischen 1773 und 1906 als Regierungssitz und Verwaltungszentrale des preußischen Staates.

Im ersten Weltkrieg hatten zahlreiche städtische Dienststellen ihr Quartier im Stadthaus, auch über 180 Vereine und Organisationen wurden von hier aus organisiert.

Plan des Stadthauses um 1910
Plan des Stadthauses um 1910

Während der Nazi-Diktatur war das Stadthaus das machtpolitische Zentrum der Düsseldorfer Nationalsozialisten und das Polizeirpräsidium – ein Ort des Terrors und der Gewaltherrschaft. Sozialdemokraten, Kommunisten und Gewerkschafter wurden hier inhaftiert. Unter der Leitung des von Göring eingesetzten Polizeipräsidenten, dem vorbestraften SS-Führer Fritz Weitzel, erreichte die Terrorwelle gegen politische Gegner eine große Dynamik und Brutalisierung.

Nach der Befreiung Hitler-Deutschlands durch die Alliierten war das Stadthaus ab 1946 zentraler Ort der Entnazifizierungsverfahren. Zwischen April 1946 und Augsut 1949 wurden im Stadtkreis Düsseldorf rund 70.000 Fälle überprüft. 1952 wurde die Entnazifizierung offiziell als abgeschlossen erklärt.

In den 50er Jahren wurden die Raumstrukturen verändert, neue Korridore angelegt, um dem neuen Zweck eines zentralen Verwaltungsgebäudes gerecht zu werden.

Eingang der 1987 eröffneten Mahn- und Gedenkstätte (um 1990).

Eingang der 1987 eröffneten Mahn- und Gedenkstätte (um 1990)

Im September 1987 zog die städtische Mahn- und Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus ein und blieb dort bis vor einigen Jahren. In den letzten Jahren        wurde sie umfassend renoviert und eröffnete im Mai 2015 mit der neuen Dauer-ausstellung „Düsseldorfer Kinder und Jugendliche im Nationalsozialismus“, die man unbedingt anschauen sollte.

Das Düsseldorfer Stadthaus. Jesuitenkloster, Polizeipräsidium, Gedenkstätte und Hotel De Medici an der Mühlenstraße, Droste-Verlag Düsseldorf 2014, ISBN 978-3-7700-1532-0, 88 Seiten, zahlreiche Abbildungen, broschiert (5,00 €). Der Band ist in der Mahn- und Gedenkstätte erhältlich.